Russland wird von schlimmster Dürre seit einem Menschenalter heimgesucht

Mehr als 20 der über 80 Regionen Russlands leiden derzeit unter der schlimmsten Hitzewelle seit mehr als fünfzig Jahren. Winde aus Südost drücken seit mehr als einem Monat heiße, trockene Luftmassen aus Zentralasien und den Steppen am Nordufer der Kaspisee nach Zentralrussland, wo die Sommer sonst eher feucht und nur mäßig warm sind.

Im Gebiet Tambov – in einer der fruchtbarsten Regionen der Schwarzerdegebiete – gab es seit über einem Monat keine Niederschläge mehr.  Die Verluste Tambover Agrarier könnten bis zu 5 Mrd. Rubel betragen, so die Pressestelle der Region. Den Prognosen zufolge beliefe sich der Getreide-Ertragsausfall auf mindestens 1,5 Mio. Tonnen, das ist 50 % der Norm.  
Dabei werden die landwirtschaftlichen Betriebe mit dem Problem der Kreditrückzahlungen konfrontiert. Nur 5% der Aussaatflächen sind gegen Dürre versichert.

In 14 Regionen wurde Notstand ausgerufen, am schlimmsten sind neben Tambov die Gebiete Baschkirien, Mordovien, Saratov, Orenburg und Tscheljabinsk betroffen. Die Ernte vertrocknet auf dem Halm, es brennen die Steppen und das Schilf im Wolgadelta bei Astrachan. 40 Grad sind zu einer Regelmäßigkeit geworden. In der Teilrepublik Tatarstan, gut 1000 km flussaufwärts, ist ein ganzer Nebenfluss der Wolga ausgetrocknet. Die Getreideernte würde dieses Jahr dort um 5 mal geringer ausfallen und nicht mehr als 1 Mio. Tonnen betragen. Die Schäden der Trockenheit sind dort bereits auf über 16 Milliarden Rubel – rund 450 Millionen Euro – geschätzt.
Umweltschützer befürchten in diesem Jahr auch einen Rekord bei Waldbränden. Dies dürfte, so die Meteorologen, die längste Trockenperiode seit Beginn der Aufzeichnungen werden.

Außerdem wird seit Ende Mai das Gebiet Astrachan von einer auch für die Steppenlandschaft an der unteren Wolga ungewöhnlichen Heuschreckenplage heimgesucht. Die Insekten drohen 50.000 Hektar Saatflächen kahl zu fressen.